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| Keiner will es rechtfertigen |
| Das ungeliebte Glaubensbekenntnis der Neuapostolischen |
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Liebe Leser, die neuen Glaubensartikel wurden in unserem Magazin in hervorragenden Kommentaren analysiert. Doch Ihnen wird aufgefallen sein, dass wir nur Beiträge externer Beobachter der Neuapostolischen Kirche publiziert haben. Grund ist nicht etwa eine Eigenwilligkeit von glaubenskultur, dass wir eben – wie man uns gelegentlich vorwirft - der Kritik Vorrang vor dem Lob geben wollten – nein, wir hätten sehr gerne mehr wohlwollende Kommentare veröffentlicht, doch es gibt sie nicht. Wir haben einige Apostel gebeten, ein Statement zu den neuen Glaubensartikeln abzugeben, aber wir erhielten durchweg Absagen. Deutlich gesagt: Es ist offenbar niemand in einer leitender Funktion bereit für diese neuen Glaubensartikel geradezustehen. - Kann sich einer vorstellen, dass eine vergleichbar große Kirche ihr Glaubensbekenntnis verändert und dann keiner der Verantwortlichen bereit ist, die Änderungen zu rechtfertigen? Es ist Zeit, nach Gründen für dieses Unding zu suchen. Offiziell verweist man auf das Kommunikationskonzept, also besser gesagt auf das „Wir schweigen!“-Konzept, doch zwischen der Absage-Formulierungen der Apostel lässt sich eher Frust ablesen. Ein beachtlicher Teil deutschsprachiger Apostel ist von dem neuen Glaubensbekenntnis schlicht genervt. Und das ist auch nicht verwunderlich, denn ein Art Rollkommando hat ihnen ein „Vogel-friss-oder-stirb-Papier“ vorgelegt. Aber nicht nur ihnen ging es so, überrollt kommen sich derzeit auch die tiefer liegenden Führungspersönlichkeiten der Kirche, die Ebene der ehrenamtlichen Bezirksleiter und Gemeindevorsteher vor. Das entläd sich derzeit z.B. in ganz plötzlich entstehenden Diskussionen in der Akademie Süddeutschland. Nein, man trifft wirklich keinen, der sagt: „Super Sache! Da steh ich voll dahinter!“ Man trifft höchsten Gläubige, die sich in eine „Och, das ist mir eigentlich nicht so wichtig“-Haltung geflüchtet haben; oder eben solche, die sagen: „Die Kirche hat sich für eine Richtung entschieden, die nicht meine ist.“ So ist es sicherlich nicht falsch, den Schluss zu ziehen, dass die neuapostolischen Gläubigen nun ein durchweg ungeliebtes Glaubensbekenntnis besitzen. Warum ist das so? - Noch vor kurzem wurde Stammapostel Dr. Wilhelm Leber von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) für seinen kollegialen Führungsstil gelobt. Aber wahrscheinlich ist genau das nun der Preis der demokratischen Führung: Eine mehrheitlich konservativ geprägte Bezirksapostelversammlung hat eben beschlossen und das müssen nun alle tragen. - Das soll freilich keine Kritik an den eingeführten demokratischen Prinzipien in der NAK-Führung sein, sondern vielmehr der Versuch einer tröstenden Erklärung für alle, die sich einen deutlich öffnenden Schritt der Kirche erhofft haben. Warum aber haben die Bezirksapostel dem neuapostolischen Glaubensbekenntnis eine solche Handschrift verpasst? Dahinter steckt ein falsch verstandener Marketing-Gedanke: „Das Profil schärfen!“ Überall hört man das seit einiger Zeit in führenden Kreisen der Kirche. Das ist schön und gut. Aber zur „Produktprofilierung“ gehört zu allererst eine „Markterhebung“: Gibt es überhaupt eine Nachfrage nach einem Produkt mit diesem Profil? Oder wie müsste das Profil des Produktes aussehen, dass überhaupt eine Nachfrage besteht? Und kann das Produkt (nebenbei bemerkt, das sind die neuapostolischen Gläubigen) überhaupt das gewünschte Profil glaubhaft repräsentieren? Der Erfolg der Produktprofilierung zeigt sich dann am Absatz. Hat nun jemand tatsächlich den Eindruck, dass mit der Einführung der neuen Glaubensartikel ein Run auf die Ortsgemeinden einsetzt? Wirkt das Produkt „Neuapostolische Kirche“ attraktiv auf suchende Seelen, wenn es anderen „Schrumpfsakramente“ attestiert? - Und, etwas salopper formuliert, was wären das dann für Typen, die auf so eine Art abfahren? Ist die Suche nach einem Lebenspartnerwahl dann erfolgreich, wenn ich andere Kandidaten in meiner Umgebung abwerte – und wenn ja, was für einen Partner mit welchem Niveau finde ich auf diese Tour? Das neue Glaubensbekenntnis hat in seinen Artikeln 4-9, das wurde verschiedentlich in den Kommentaren herausgearbeitet, die neuapostolischen Gläubigen wieder in die Sektenecke gestellt. Und dort fühlen sie sich sichtlich unwohl! Und auch jene, denen dieser Marketing-Tick gefällt, werden nun nicht freudestrahlend auf einen Suchenden zugehen und ihn mit einer frohen Botschaft zum Besuch neuapostolischer Gottesdienste bewegen. Nein, das neue Glaubensbekenntnis ist keine Grundlage, mit der man nun „fröhlich in den Weinberg“ ziehen kann, es stolz jedem Interessierten vorzeigen wird. Man wird weiter viel lieber auf die lebendige Gemeinde verweisen, die v.a. deshalb so lebendig ist, weil sie solche Sachen wie ein Glaubensbekenntnis ignoriert. Das ist vielleicht eine jahrzehntelang bewährte Überlebensstrategie in dieser Kirche. Ihr glaubenskultur-Magazin Michael Koch und Tobias Andrä |
| gk/, 2010-07-01 |
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