
| „Das überlassen wir der Wissenschaft“ |
| Stammapostel thematisiert erneut NAK-Bibelverständnis |
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| Leserbriefe zu diesem Artikel |
| (Name und Ort der Red. bekannt), 11-03-2010: ABC |
| (Name und Ort der Red. bekannt), 10-03-2010: Glaube oder Wissenschaft? Dies ist für mich hier nicht die Frage. Der Einstein erkannte seinerzeit, dass die von Newton beschriebenen Gesetzte seine Kernforschungen nicht mehr beschreiben konnten. In der Mathematik macht man heute ähnliche Erkenntnisse, wenn es um das Beschreiben der Quanten geht. Die Neurologieforschung hat schon längst "bewiesen", dass das Darwinsche Gesetzt von "Konkurrenz" in der Natur so nicht sichtbar ist. Die Natur ist auf Kooperation angelegt. Bibelforscher beissen sich die Zähne aus, wenn sie mit Mystikern sprechen. Der Meister Eckhart rüttelte seinerzeit genauso am Bibelverständnis, wie davor ein Luther an den von Menschen errichteten regulatorischen Interpretationen des Bibeltextes. Im alten "Braunen Büchlein" ist auf der letzten Seite ein Gedicht, das mit den Worten endet...Zitat - das ist das Ende aller Philosphie, zu wisssen, dass wir glauben müssen - Zitat Ende. Der Mensch will es also Wissen, ob bezogen auf den Glauben oder die Wissenschaftflichkeit zu Untersuchungsgegenständen. In beiden Fällen geht es ähnlich zu und her. Einer extrahiert aus dem Zusammenhang einen Untersuchungsgegenstand, formuliert dazu Fragen und legt das Untersuchungsprogramm fest. Alles nach der Wahrnehmung, wie er ge-bildet ist. Diese Art von "Objektivität" begrenzt sich also auf einen extrahierten Sachverhalt und basiert auf den Wertvorstellungen des Untersuchenden. So finden nahezu alle eine Wahrheit, die ihnen entspricht, da wir tendieren, das uns Vertraute anzunehmen und das weniger vertraute kritisch zu betrachten. Solche Objektivität ist genauso subjektiv, wie das Erfahren eines Einzelnen, wie er die Beziehung zu Gott erlebt und ebenso genauso Objektiv. Es ist oft vertiefter und systmatischer untersucht, was jedoch noch nichts über den Wahrheitsgehalt und den Zustand aussagt. Die NAK-KL will, wie andere auf, offenbar es weiterhin wissen. Früher aus sich selbst heraus, heute auf der Wissenschaft basierend. Die obigen Ausführungen zur Wissenschaft lassen erahnen, dass der Einstein das Neue nur Entdecken konnte, als er bereit war Wissen des alten Newton beiseite zu legen und es gleichzeitig zu nutzen, auf der Suche nach den Mechanismen der Kernphysik. Gleiches lässt sich auch bezogen auf die Quantenphysik, die heutige Sozio- und Neurobiologie u.a.m. anwenden. Und hier liegt der Hund meines Erachtes begraben. Das alte Denken kann nicht die Probleme lösen, die es selber verursacht hat und es kann nicht die neuen Wege öffnen, die durch die Fehlschaltungen dieses Denkens noch verschlossen sind. Entwicklung geschieht an der entstehenden Knappheit entlang der jeweiligen Fehlschaltungen. Werden Fehlschaltungen mit anderen ersetzt, wird das oft als Fortschritt gewertet. Es ist jedoch in diesem Forum hinlänglich diskutiert worden, dass eben diese neuen Fehlschaltungen, wie ich sie nenne, in den Aussagen des Dr. Leber als Ambivalenz empfunden werden. Diese Ambivalenz ist ein Dilemma. Und bekanntlich lässt sich ein Dilemma nicht lösen, indem man dem einen oder anderen Pol mehr Aufmerksamkeit schenkt. Das hat Leber offenbar erkannt. Es ist sichtbar in seiner Ambivalenz. Dies würde sich meines Erachtens lösen, wenn das Dilemma gelöst werden könnte. Und hierfür müsste er das alte Wissen beseite legen und sich dem Neuen öffnen, von dem er nicht sicher sein kann, was und wie es ist, weil es ihm noch nicht offen steht. Es würde bedeuten, von einem Wissenden zu einem Nicht-Wissenden und damit sich zu einem Suchenden und Findenden zu tranformieren. Jesus brachte es so auf den Punkt: Klopft an und euch wird geöffnet. Suchet und ihr werdet finden. Bittet und euch wird gegeben. Solange wir glauben zu wissen, wie wir anklopfen sollen, was gefunden werden muss, wird das Bitten eine Art der Fehlschaltung bleiben, die neue Arten von Knappheiten hervorruft. Wann beginnen Kirchen (endlich) das zu leben was Jesus lebte und von dem sie sagen, dass er im Zentrum ihres Lebens steht? Er war im obigen Sinne ein Nicht-Wissender und so öffnete sich ihm der Zugang zu allem Wissen, das aus Gott kam. Hätte er es auch sich selber heraus wissen MÜSSEN, wäre ihm das Einssein mit Gott abhanden gekommen. Geht das Zwanghafte aus dem Glauben, aus dem Wissen raus, öffnet sich in einem die Liebe und es öffnen sich die Wege, die es zu gehen gilt. Wir müssen uns also nicht sorgen, was wir reden, denken und sagen sollen. In solcher integraler Lebenspraxis in Beziehung zu Gott stellt sich wie von alleine ein, was gut ist und tut. Es ist unspektaktulär und einfach so zu leben. Es ist ungeteilte liebende und offene Aufmerksamkeit. Aber schafft das eine Kirche wie die NAK, die sich immer mehr in Richtung "Eventmarketing" bewegt (Grossanlässe, effekvolle Informationsübertragungen, Riesenveranstaltungen mit opulenten Elementen, Huldigung der Leitenden in Zeitschriften, Reden und mit Handlungen? Mit dem "Glaubenswissen" im Hinterkopf, dass diese Männer es "wissen"? Vielleicht kann man verstehen, dass es berechtigt Zweifel gibt, ob die Disskussion über die Bewegungen der NAK etwas Förderliches bringt. Oder ob es nicht nur Verrenkungen innerhalb der Knappheiten durch die Fehlschaltungen des Vergangenen sind? Mein Innerstes sagt mir, es wird so nicht funktionieren. Und in einem Punkt bin ich mit Leber einig: Ich weiss es nicht (kognitiv). Es gibt jedoch ein Navigationssystem in uns, das uns zeigt, ob etwas durch und durch im göttlichen Sinn gesund ist. Wenn wir es mit unserem Denken nicht "stören" funktioniert es einwandfrei. Jesus sagte: Der Heilige Geist wird euch in alle Klarheit und Wahrheit führen. Demzufolge vermag das der Zeit-Geist nicht. Warum gibt dann der Leber dem Zeit-Geist so viel Aufmerksamkeit und leitete die Glaubenden nicht an, sich dem Heiligen Geist zu öffnen und zu lernen, das alte Wissen als Erfahrungsschatz zu wertschätzen und es loszulassen, damit daraus neues entstehen kann? Ohne, dass dadurch die göttlichen Grundlagen (Schenk mir dein Herz und liebe deinen nächsten wie dich selbst - lebe, was ich dir rate) dabei verloren gehen? Könnte es sein, dass dies etwas mit Kontrolle zu tun haben könnte? Könnte es sein, dass es schwierig ist anzunehmen, dass der Lebenfluss von uns nicht wirklich kontrolliert werden kann, sondern es unsere Aufgabe ist, ihm folgend diesen gestaltend zu leben? Manche wollen zurück zur Quelle und realisieren dabei nicht, dass sie wie wild gegen den Strom in Richtung Quelle paddeln. Eine Riesenleistung! Es ginge etwas leichter, aus der sprudelnden Kraft der Quelle mit dem Lebensfluss zu gehen und die Paddel im Einklang mit dem Fluss zu nutzen. Dem Ziel entgegen: Das weite Meer das Ausfluss der Quelle ist und diese wiederum speist. Liebe Grüsse in Christus |
| (Name und Ort der Red. bekannt), 10-03-2010: Die Rede ist von antiken Texten, die erst ab ca. tausend Jahre vor Christi Geburt schriftlich fixiert wurden. Es dürfte daher völlig klar sein, dass es sich nicht Tatsachenprotokolle handelt, als wären die Autoren z.B. bei der Entstehung der Welt dabei gewesen. Diese Texte setzen sich vielmehr deutend mit Fragen auseinander, die bis heute Menschen beschäftigen. Wem oder welchen Tatsachen verdanken wir unsere Entstehung? Oder gibt es doch einen liebenden Schöpfergott? Hier liegt zugleich der Ausgangspunkt für die Frage, was aus mir nach meinem begrenzten Erdendasein werden kann. Die Bibel setzt sich ferner mit der Versuchlichkeit des Menschen und mit seinem Umgang mit der Verantwortung für das eigene Handeln auseinander, und sie bietet zuletzt die Lösung an, dass wir in Christus von Gottes Liebe angenommen sind. Mich stört daher nicht, dass es sich bei vielen Bibeltexten des AT um religiöse Märchen handeln dürfte (z.B. Jona im Fischbauch, die Tobias-Geschichte, Hiob, der vermutlich nie existierte). Vielmehr transportieren sie Wahrheit auf einer anderen Ebene, die unversal zu sein scheint und noch heute Menschen erreicht. Auch Jesus erzählt Geschichten, die sich nicht wirklich ereignet haben, Gleichnisse, die aber gerade dadurch immer gültige Wahrheiten vermitteln. Lessing schreibt in seiner „Duplik“ (1778, S. 64): „Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit und in seiner Linken den einzigen, immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte, und spräche zu mir: Wähle! Ich fiele ihm mit Demut in seine Linke und sagte: “ Vater, gib! Die reine Wahrheit ist ja doch nur für dich allein!“ Unsere Wahrheiten sind danach immer nur abgeleitete bzw. Teilwahrheiten. Das Wahrheitsverständnis im Judentum lädt zur Vielfalt ein. Der berühmte jüdische Religionswissenschaftler und Neutestamentler Pinchas Lapide verwendete den Begriff "Exegetendemokratie". In der jüdischen Auslegungskunst darf keine Auslegung eine andere verdrängen. "Gott hat ein Wort geredet, das habe ich zweimal / etlichemal (je nach Übersetzung) gehört: daß Gott allein mächtig ist" (Psalm 62,12 vgl. verschiedene Übersetzungen). Die jüdischen Gelehrten verstehen diesen Vers als Hinweis darauf, das nie ein einziger Rabbi allein die Wahrheit verbindlich verkünden kann. Das Judentum kennt keinen einfachen, sondern den mehrfachen Schriftsinn, je nach Mensch und individueller Situation, in welcher Gottes Wort wahrgenommen wird. Ein wichtiger Grundsatz lautet, dass jede Bibelstelle 70 verschiedene Auslegungen zulässt. Und jeder Mensch kann die Vielfalt der Auslegungen weiter vermehren. Wühle und wühle immer wieder in der Tora!, raten die Rabbinen. Pluralismus ist der Wille Gottes. Einige gehen so weit zu behaupten, dass der Widerspruch in der Schrift Methode sei, die in die Vielfalt der Auslegungen führe. Gott ist nicht nur allein im Besitz der Wahrheit, er ist die Wahrheit selbst. Wir dagegen sind für immer auf der Suche nach der Wahrheit. Deswegen tun uns die Exklusivwahrheiten nicht gut. Und - mit Respekt! - auch nicht zürcher Festlegungen, welche Bibelstelle denn nun wie zu verstehen oder anzuwenden sei... |
| (Name und Ort der Red. bekannt), 10-03-2010: Lieber Helmut Liebe, ich kann das so nicht stehen lassen: Es war nicht Stammapostel Fehr, sondern Stammapostel Urwyler, der die Eigenverantwortung in unserer Kirche „eingeführt“ hat. Und wenn dieser großartige Mensch und wahre Gottesmann nicht krank geworden wäre und sich gegen seine „Kirchenfürsten“ hätte durchsetzen können, stünden wir heute nicht vor diesen Problemen, sondern wären längst weiter … Es gibt übrigens anlässlich seines Geburtstags am 20. Februar einen sehr schönen und absolut zutreffenden Leserbrief in „Christ im Dialog“. |
| Helmut Liebe aus Lage, 10-03-2010: Ihr lieben Experten, bitte waehlt doch fuer den Aus- tausch der Meinungen den direkten Weg und nicht den in Missbrauch dieses Forums. Als Handwerker kann ich manchmal nur mit dem BROCKHAUS vertsehen, was gemeint ist. Es geht uns doch um Wahrheit und Zielrichtung! Beantwortet doch mal folgende Frage: Wie kann GOTT fehlerhaft sein? Ist er doch allwissend und als im GEISTE anzubetende Allmacht zu sehen? In freudiger Bezeugung meines christlichen Glaubens sagte mir ein Schlossermeister: Wenn dein Gott so allwissend ist, wie du ihn mir hier verkaufen willst, haette er auch wissen muessen, dass Adam + Eva kippen wuerden und alles waere uns erspart worden.. Die NAK hat keine Antwort gegeben und wie ein Vorschreiber erwaehnt, die Eigenverantwortung zu spaet in den Vordergrund gestellt. (Erst StAp Fehr) Nun koennen wir ja mal ohne Dokmatik nachdenken. Gruss H. Liebe |
| (Name und Ort der Red. bekannt), 09-03-2010: Das sind wahrhaft schöne Gedanken, die bakafimi hier aufzeigt. Wichtig ist nur die persönliche Beziehung zu (einem liebenden) Gott. Daher brauche ich auch nicht unbedingt eine Bibel, Bibelwissen, Bibelverständnis, oder den Glauben an ein Hl. Buch. Ich brauche auch keine Vorangänger, Pfarrer oder sonstiges Bodenpersonal. Ich bevorzuge den direkten Draht nach oben. Seit mir dogmatische Kirchenlehren so ziemlich egal geworden sind und man mir nicht mehr vorschreibt, was ich zu glauben habe, hat sich mein Verhältnis zu Gott, dem Schöpfer, wesentlich verbessert. Er ist zu einem Freund geworden, mit dem ich reden kann, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Angst vor irgendeiner göttlichen Strafe ist Schnee von gestern. Er bedarf nicht meiner Ehrerbietung, meines Opfers, meines "Mich-klein-machens". Ich danke ihm für Wohltaten ebenso, wie ich im Gebet mit ihm "rummeckern" kann. Dann sage ich es so, wie man mit einem Freund reden würde.: "Hey, was ist los da oben, drehst du am Rad, oder warum hilfst du mir (noch) nicht?" Es ist wie eine Befreiung nach "langjähriger spiritueller Haft". Dann ist es auch egal, wie nun die Welt genau entstanden ist. Ganz sicher nicht, wie wir es bei einem wortwörtlich verstandenen bibl. Schöpfungsakt in der Bibel nachlesen können. Für meinen persönlichen Glauben sind diese Fragen/Antworten unwichtig geworden. Mein Glaube gründet in diesem Sinne nicht auf der Bibel und nicht auf regelmäßigen Kirchgängen und Predigten. Er ist eine persönliche Angelegenheit zwischen dem Schöpfer und mir. Der Gedanke, dass nur eine gewisse Anzahl von Auserwählten einer Konfession (oder auch Religion) von ihm bevorzugt behandelt werden, ist mir fremd geworden. MfG, an die Leser |
| (Name und Ort der Red. bekannt), 09-03-2010: balelele, am wechselnden Farbenspiel kann man sich erfreuen und braucht es auch nicht ernst nehmen. Ernst nehmen sollte man einzig und allein seine persönliche Beziehung zu Gott, zu Christus. Was kann man noch glauben? Gott ist Liebe. Er liebt jeden Menschen, also auch mich. Er möchte, dass mit ihm ewig in seiner Liebe lebe. In meinem Leben soll ich versuchen Gott, mich und meinen Nächsten immer mehr zu lieben. Diese göttliche Liebe und meine persönliche Beziehung zu ihm zeigt mir, was ich persönlich glauben muss, um auf ewig bei Gott wohnen zu können. Dann kann ich am wechselnden Farbenspiel erfreuen, weil es einerseits nicht mehr so wichtig ist, andererseits für mich lehrreiche Aspekte enthalten kann. Ich kann durch meine persönliche Beziehung zu Gott eigenverantwortlich mit dem NAK-Bibelverständnis, der historisch-kritischen Exegese, mit theologischen Aussagen zum Inhalt der Bibel, mit anderen Bibelverständnissen, etc. umgehen. Ich kann ein eigenes, von Christus ausgehendes, mir zu Gott hin helfendes Bibelverständnis entwickeln, dass nicht mehr das einzig wahre und richtige sein muss. Liebe Grüße aus Syke |
| Fred Galka aus Syke, 09-03-2010: balelele, am wechselnden Farbenspiel kann man sich erfreuen und braucht es auch nicht ernst nehmen. Ernst nehmen sollte man einzig und allein seine persönliche Beziehung zu Gott, zu Christus. Was kann man noch glauben? Gott ist Liebe. Er liebt jeden Menschen, also auch mich. Er möchte, dass mit ihm ewig in seiner Liebe lebe. In meinem Leben soll ich versuchen Gott, mich und meinen Nächsten immer mehr zu lieben. Diese göttliche Liebe und meine persönliche Beziehung zu ihm zeigt mir, was ich persönlich glauben muss, um auf ewig bei Gott wohnen zu können. Dann kann ich am wechselnden Farbenspiel erfreuen, weil es einerseits nicht mehr so wichtig ist, andererseits für mich lehrreiche Aspekte enthalten kann. Ich kann durch meine persönliche Beziehung zu Gott eigenverantwortlich mit dem NAK-Bibelverständnis, der historisch-kritischen Exegese, mit theologischen Aussagen zum Inhalt der Bibel, mit anderen Bibelverständnissen, etc. umgehen. Ich kann ein eigenes, von Christus ausgehendes, mir zu Gott hin helfendes Bibelverständnis entwickeln, dass nicht mehr das einzig wahre und richtige sein muss. Liebe Grüße aus Syke |
| (Name und Ort der Red. bekannt), 09-03-2010: Das Problem an den Äußerungen des Stammapostels sind doch nicht seine offen zur Schau getragene Ahnungslosigkeit in theologischen und/oder wissenschaftlichen Fragen; auch nicht seine an Feigheit grenzende Ambivalenz - an all diese Schwächen hat man sich doch bereits gewöhnt. Nein, problematisch werden die obigen Verhaltensmuster erst durch ein weiteres, das sich in dem Anspruch manifestiert, eine Organisation nicht nur zu leiten, sondern darüber hinaus jedem der 11 Millionen Mitglieder vorzusetzen, was und wie es zu glauben habe, ab jetzt. Wer dem nicht folgt, steht unversehens außerhalb des kollektiven "Wirs", dass der Stammapostel auch in dem "Wort zum Monat" wieder oft und gerne bemüht. Ein abwägender und offener Diskurs zu einem solch basalen wie weitreichenden Thema findet nicht statt, jedenfalls weder sichtbar im Apostelkreis noch zwischen der Kirchenleitung und den Gläubigen. Dadurch wird, zumal ja auch fachlich völlig unbegründet, das eine Dogma stumpf durch ein anderes ersetzt, welches zwar oberflächlich zeitgemäßer erscheinen mag, inhaltlich aber letztlich noch weniger zu bieten hat. Nun wäre eine mutige Neubewertung (also keine Abwertung!) des Schöpfungsmythos, der Flutgeschichte und anderer Bibelabschnitte dringend notwendig. Doch genau hier kneift der Stammapostel und lässt seine Schäfchen im Regen stehen: "[I]ch rate aber dazu, nicht zu sehr zu analysieren, was wörtlich und was bildhaft zu verstehen ist. Das führt uns im Glauben nicht weiter." Und nun? Der Stammapostel sitzt offenbar gehörig in der Klemme und kann weder vor noch zurück. Den Gläubigen, immerhin nach Aussage der Kirchenleitung allesamt Träger der Gabe heiligen Geistes, traut er aber andererseits auch nicht zu, die Bewertung biblischer Texte - in einer doch "für die Erreichung unseres Glaubenszieles" nicht entscheidenden Frage - selbst zu treffen Zu tun hat dies vor allem mit der de facto immer noch propagierten strikten Alleinstellung des Apostelamtes bezüglich der Kompetenz, die Bibel korrekt auszulegen. Doch was soll das Kirchenvolk tun, wenn die Kirchenleitung offenbar nicht in der Lage ist (oder sich weigert), dieser Aufgabe nachzukommen? |
| (Name und Ort der Red. bekannt), 09-03-2010: Sehr geehrte(r) „balehuhu“, zu dem zweiten Absatz Ihrer Antwort an mich will ich hier nicht Stellung nehmen, weil uns das vom Thema wegführen würde. Nur soviel an Grundsätzlichen – auch zu Lebers recht undifferenzierter Äußerung, Teile der biblischen Erzählungen seien metaphorisch zu verstehen: Exegese hat immer auch zu berücksichtigen, ob nicht eine von der traditionellen europäischen Gedankenwelt völlig verschiedene Stilmittel verwendet, die missverstanden werden, wenn wir mit unserem Verständnis an sie herangehen. Wir kämen dann im Hinblick auf die Bibel natürlich zu dem Ergebnis, dass uns da Märchen erzählt werden, denen allenfalls eine (uns möglicherweise ebenfalls unverständliche) Moral zugrunde liegt. Als erster Schritt zu einer seriösen Exegese ist es erforderlich, sich darüber klar zu sein, dass den antiken semitischen Völkern abstraktes Denken fremd war. Sie konnten vom nicht Gegenständlichen nur in Bildern sprechen, die aber weder unterhaltsam noch einfach nur moralisch sein, sondern ihre Philosophie darstellen sollten. Insofern geben beispielsweise die beiden unterschiedlichen Schöpfungsberichte der Genesis das durchaus unterschiedliche Verständnis ihrer Autoren über sie Stellung des Menschen zum Menschen zum Ausdruck. Sie wären aber nicht in der Lage gewesen, die Schöpfung Gottes mit den Worten wiederzugeben, die wir am Beginn des Johannesevangeliums finden. Als unseriös betrachte ich das oberflächliche Vorgehen des Stammapostels, der im Grunde nichts anderes sagt, als dass Erkenntnisse der Evolutionswissenschaft Teile der Bibel überholt haben (was aus den geschilderten Gründen n i c h t zutrifft), ohne darauf einzugehen, was denn seiner Ansicht nach dann noch bestehen bleiben kann und wie die „metaphorischen“ Texte zu lesen sind. Als unseriös betrachte ich das Vorgehen der Exegeten, die nicht berücksichtigen oder die Erkenntnis unterdrücken, dass es den Autoren der Bibel nicht um die Darstellung damaliger naturwissenschaftlicher Erkenntnisse ging (Wissenschaft im heutigen Sinne wurde gar nicht betrieben) und daraus fälschlich ableiten, die Bibel widerspreche naturwissenschaftlich gesicherten Wahrheiten. Die meisten von ihnen vertreten auch heute noch ein deterministisches Weltbild und haben nicht einmal gemerkt, dass ihnen gerade durch die Naturwissenschaften bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts, nämlich seit den Erkenntnissen Max Plancks über die Quantenmechanik ihr schlichtes Weltbild längst genommen wurde. Freundliche Grüße |
| (Name und Ort der Red. bekannt), 09-03-2010: Wir standen um Haaresbreite vor der Heimholung und fünfzig Jahre später liest man, dass wir nicht auf festem Grund stehen und dass unser alte Glaube ein alter Glaube war, überholt von moderner Erkenntnis. Natürlich irritiert das, und man ist geneigt zu fragen, was man noch glauben kann. Am wechselnden Farbenspiel könnte man sich erfreuen, wenn man nicht alles so ernst nehmen würde, wie man sollte. |
| (Name und Ort der Red. bekannt), 08-03-2010: Werte(r) Badedeno, ich stimme Ihnen zu: Ich habe bei meinen Betrachtungen Teile der gesamten Bibel betrachtet und nicht wie Sie, nur Evolution versus Schöpfungsglauben. Betrachtet man nur dies, ist es sicherlich möglich naturwissenschaftliche Erkenntnisse mit dem bibl. Schöpfungsglauben noch irgendwie unter einen Hut zu bringen. Bei meinen Betrachtungen dachte ich u.a. auch an beide Artikel des Stap. zu diesem Themenkomplex. Also auch das Buch Hiob und die Offenbarung, die er im ersten Artikel benannte. Es sei metaphorisch zu verstehen, so schrieb er. Damit kann ich konform gehen. Der Unterschied: Mir gehen seine Ausführungen noch nicht weit genug. Sie mögen mich für atheistisch halten, aber ich bin es nicht. Ich stelle nur vieles in Frage, was uns an Überlieferung (Bibel) erhalten und beigebracht (NAK) wurde. Oder würden Sie auch sagen, jemand ist nahezu atheistisch, oder nach christl. Verständnis ungläubig, wenn er den (angeblichen) Sühnetod Jesu in Frage stellt? Das tue ich tatsächlich. Aber bin damit in guter Gesellschaft. Der evangl. Präses N. Schneider tut dies auch. Oder wenn ich sage, dass es Gott egal ist, ob wir Christ, Hindu oder Moslem sind. ( so Bischof Tutu) Ich verstehe es so, dass man nicht unbedingt glauben muß, daß NUR Jesus der Weg zu Gott ist. Aber es führt zu weit vom Thema weg. Es ging Ihnen ja nur um Evolutionstheorie und Schöpfungsglauben. Das hatte ich dann mißverstanden. MfG an die Leser |
| (Name und Ort der Red. bekannt), 08-03-2010: Nein, verehrte(r) „balehuhu“, Sie haben mich nicht verstanden. Mir geht es um das Thema biblische Darstellung der Weltwerdung und wissenschaftliche Erkenntnisse zu diesem Thema. Sie haben ein weiteres nicht verstanden: Der Papst hat nicht naturwissenschaftliche Erkenntnisse mit dem Bibelglauben und der HKE zu „verbinden“. Da gibt es nämlich nichts zu verbinden, und die HKE ist am wenigsten dazu geeignet, die biblischen Aussagen an naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zu messen, weil es nicht ihre Aufgabe ist. Ich weiß, dass es Exegeten gibt, die das tun, aber die haben damit ihre Kompetenzen überschritten. Aufgabe der Exegese ist es, die biblischen Schilderungen im Licht ihrer Entstehungszeit zu betrachten und daraus zu folgern, was die Autoren der Bibel zum Ausdruck bringen wollten. Das Verdienst der HKE ist es, den heutigen Lesern der Bibel vermittelt zu haben, dass dieses Werk nicht wie das Protokoll einer Parlamentssitzung oder einer wissenschaftlichen Versuchsreihe zu lesen ist. Damit ist überhaupt nichts zum von den Verfassern beabsichtigten Gehalt biblischer Aussagen festgestellt. Zwischen Wissenschaft und Bibel besteht überhaupt keine Verbindung und deshalb auch kein Gegensatz. Es war in der Vergangenheit der Fehler verschiedener theologischer Richtungen aus der Bibel naturwissenschaftliche Erkenntnisse ableiten zu wollen und einiger Naturwissenschaftler, mit ihren Erkenntnissen die Bibel widerlegen zu wollen. Dabei haben Naturwissenschaft und Bibel verschiedene Aufgaben: Naturwissenschaft fragt nach dem Wie des Werdens und versucht, darauf Antworten zu geben, die Bibel fragt nach dem Warum des Seins und will darauf antworten. Dieses Wissen war lange Zeit im Christentum und im Judentum erhalten; deshalb wurden auch offenkundige Differenzen in biblischen Aussagen (besonders prominent: verschiedene Schöpfungsberichte) beibehalten, weil ihr Sinngehalt, gerade wegen der verschieden betonten Aspekte, als wertvoll erachtet wurde. Der Zeit der Aufklärung blieb es vorbehalten, dieses Verfahren misszuverstehen und die Bibel als naturwissenschaftlich unakzeptables Werk zu diffamieren. In wütender Gegenreaktion sprangen seitdem unbedachte und unbedarfte Theologen auf diesen Argumentationszug auf und akzeptierten damit bereitwillig einen Köder, der ihnen von außen angeboten wurde. Nun gehen Sie allerdings in Einzelheiten und starten einen Rundumschlag, indem Sie in die von Ihnen immer noch falsch verstandene Grundsatzdiskussion das „Jungfrauengedöns Marias“ und den „Wunderglauben des Neuen Testaments“ einbetten. Das hat eigentlich mit der Diskussion Evolution/Werden vs. Schöpfungsglauben nichts zu tun, obwohl es von den Protagonisten versimplifizierter Ungläubigkeit immer wieder vermischt wird – wahrscheinlich um sich nicht auf vertiefende Grundsatzdiskussionen einlassen zu müssen. Schließlich, so mag ihr Kalkül sein, verhindert das Lächerlichmachen von besonders angreifbar erscheinenden Aussagen der Bibel die kritische Betrachtung der Kritiker und ihrer Kritik. Dabei verlagern sie allerdings die Ebene der Diskussion von der Bibel hinweg auf Gott selbst, der nach ihrem Standpunkt, wenn ihm überhaupt eine Existenz zugestanden wird, an die von ihnen definierten Grenzen gebunden und damit überhaupt bedeutungslos wird. Es handelt sich um einen unausgesprochenen Atheismus, der sich um die daraus zu ziehenden Konsequenzen drückt, indem er sich nach wie vor in Form einer vorgeblichen Kritik um den Glauben dreht, um nicht auf die mit einem ehrlichen Atheismus einhergehenden Forderungen eingehen zu müssen, die als einer der wenigen Nietzsche überblickt und ausgesprochen hat: Der Mensch, der Gott getötet hat, muss selbst zum Übermenschen, also zu seinem eigenen Gott, werden, um nicht unterzugehen in seiner eigenen verzweifelten Kleinheit. Die moderne Gesellschaft kennt da aber noch einen Weg für all diejenigen, die ihre eigene Übergröße weder durch eingebildete oder tatsächliche Macht oder eigene Bewunderung soliden Halbwissens herstellen können: Narkotisierung durch ungehemmten materiellen und emotionalen Konsum. Der Ehrliche muss versuchen mit der Erkenntnis zu leben, dass er die sich jedem am Ende des Lebens stellende Frage nach dem Warum seiner Existenz nur im – nicht mehr vorhandenen – Glauben hätte finden können. Der Ersatzglauben an einen auf Miniaturmaß zurechtgestutzten Gott wird ihm diese Frage nicht beantworten können. Freundliche Grüße |
| (Name und Ort der Red. bekannt), 08-03-2010: Um Irritationen zu vermeiden: Ich meinte mit meinem Satz zu kath. Pfarrerinnen, dass es eindeutige Hinweise in der Bibel dazu gibt, dass Frauen in den Urgemeinden gelehrt und gepredigt haben. Heute würde man sagen, sie hatten ein Amt oder waren (sind) Pfarrerinnen, Bischöfinnen usw. So geht man heute mehrheitlich davon aus, dass es sich beim "Apostel Junias" eher um eine Apostelin mit Namen Junia handelte. Dazu mein Buchtipp: Priska, Junia und Co. von Ulrich Wendel |
| (Name und Ort der Red. bekannt), 08-03-2010: Werte(r) badedeno nichts anderes habe ich geschrieben: Wir ALLE haben es so und so in der Schule gelernt......... Ich habe Sie schon verstanden, wenn Sie schreiben das der Papst versucht den Bibelglauben mit den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und der HKE zu verbinden. (Kann ich es mal so ausdrücken?) Mag teilweise gelingen. Nur, wie soll das in Gänze gelingen, wenn er andererseits beispielsweise nicht von diesem "Jungfrauengedöns Marias" abläßt? Revidiert er in seinem Buch denn wenigstens den Wunderglauben des Neuen Testaments? Oder andere Frage: Warum gibt es noch keine kath. Pfarrerinnen, obwohl es dazu eindeutige Hinweise in der Bibel gibt? Zugegeben, sein Buch kenne ich nicht, aber viele seiner öffentlichen Stellungnahmen in Rundfunk und Fernsehen. Ich kann nicht umhin, mir dann zu denken: Irgendwie Mittelalterlich und dogmatisch. Vielleicht, in einigen Punkten, immerhin fortschrittlicher als es die NAK bisher war. Ich halte es da lieber mit dem Theologen Bultmann, Begründer der HKE, der einmal sagte:" Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben........" MfG an die Leser |
| (Name und Ort der Red. bekannt), 08-03-2010: Wie die Bibel zu verstehen ist, kann man nicht in zwei kleinen Leitartikeln in der UF klären. Hier dürfte eher der Versuch des Stammapostels vorliegen, Teilen des Katechismus’ schon mal sachte den Weg zu bereiten. Ich empfehle Gerlinde Baumanns Buch "Die Bibel - Wissen was stimmt", Verlag Herder, ISBN 978-3-451-05955-1, für 7,95 EURO. Seriös und sachkundig öffnet Gerlinde Baumann das Verständnis für die Bibel und ihre Entstehung. Dabei verliert man seinen Glauben nicht, sondern man lernt die Bibel besser in ihrer Intention zu verstehen. Die Bibel gibt keine mit der heutigen Naturwissenschaft konkurrierenden Erklärungen, sondern sie liefert vorwiegend Deutungen. Sie will nicht wörtlich, sondern ernst genommen werden. |
| (Name und Ort der Red. bekannt), 08-03-2010: Wer davor warnt, das sprichwörtliche Kind mit dem Bade auszuschütten, dem geht es nicht um das Wasser - er sorgt sich um das Kind. Es geht nicht in erster Linie nur darum, welches Thema in diesem Wort zum Monat behandelt wird. Die Suche nach Schnittmengen und Scheuerpunkten zwischen dem in biblischen Schriften Berichtetem einerseits und naturwissenschaftlich Erkanntem andererseits ist nicht neu und nicht verboten sondern sogar wichtig und, so glaube ich, von Gott gewollt. Es geht vielmehr darum, wer etwas wie zu wem sagt. Ich lese in diesem von vielen einfach und kindlich glaubenden neuapostolischen Gläubigen Monat für Monat als Orientierung erwarteten Beitrag Folgendes: Die oberste Lehrautorität einer christlichen Kirche, welche über Jahrzehnte hinweg ihren Mitgliedern in, so unterstelle ich, fürsorglicher Absicht von einer eigenverantwortlichen Auseinandersetzung mit biblisch Überliefertem abgeraten hatte und dies auch heute noch hier und da tut, gibt die Zuständigkeit bei wesentlichen Fragen des eigenen Glaubensbekenntnisses, wie beispielsweise die Frage nach der Schöpfereigenschaft Gottes, an säkulare Autoritäten wie die der Wissenschaften ab. Jesus forderte Petrus in Lukas 22, 32 auf „…stärke deine Brüder…“ Wer auch immer sich an die Stelle, an die Seite oder in die Nachfolge des damals Beauftragten gerufen weiß oder fühlt, sollte diesen Auftrag kennen. Wie viele Gläubige hat das Wort zum Monat März 2010 gestärkt? Ich fürchte, die Zahl derer, die durch diese Gedanken irritiert, verunsichert und damit geschwächt worden sind, ist größer. Man kann auch Gottes-Kinder mit dem Bade ausschütten…. Die Bibel warnt davor. Ich auch. |
| (Name und Ort der Red. bekannt), 08-03-2010: Verzeihung, „balehuhu“, aber ich habe den Eindruck, Sie beziehen Stellung zu einem Thema, das Sie nicht recht verstanden haben. Bevor Sie Begriffe in die Diskussion werfen, um sie gegen von Ihnen vermutete Ansichten anlaufen zu lassen, hätten Sie sich besser erst einmal informiert, was die von Ihnen genannten „Kirchenvertreter“ einschließlich des Papstes überhaupt zu den hier aufgeworfenen Fragen zu sagen haben. Sie definieren sich offenbar selbst als jemanden, der – im Gegensatz zu mir – die Augen nicht vor den Realitäten verschließt, können aber zur Diskussion nichts beitragen als den gläubigen Hinweis auf „namhafte Theologen“ und etwas, das Sie (wie wir alle übrigens!) in der Schule gelernt haben. Das verquicken Sie dann mit den von Ihnen vermuteten Ansichten irgendwelcher „Kirchenvertreter“, wen auch immer Sie damit meinen, und des Papstes. Wenn Sie meinen Beitrag sorgfältig gelesen hätten, wäre Ihnen aufgefallen, dass der Papst nach meiner Auffassung im Gegensatz zu Stammapostel Leber die Widersprüche zwischen Schöpfungsglauben und Evolutionslehre vernünftig aufgelöst hat. Da kann es doch schlechterdings nicht sein, dass Benedikt XVI. auf wörtlicher Interpretation der Bibel beharrt – oder ich wäre genauso oberflächlich vorgegangen wie, mit Verlaub, Sie es getan haben. Der Schock, den angesichts Ihrer Ausführungen bekommen zu haben Sie mir unterstellen, ist tatsächlich da, allerdings nicht wegen Ihrer fortschrittlichen Denke, sondern wegen der Uninformiertheit, mit der Sie sich auf das Thema einlassen. |
| (Name und Ort der Red. bekannt), 08-03-2010: Es mag für einige ein Schock sein, so auch für mich vor einigen Jahren, aber es bringt nichts, wenn man die Augen vor den Realitäten verschließt. Ich gehe inzwischen nicht mehr davon aus, dass es sich bei der Evolutionstheorie nur um eine bloße Theorie handelt, selbst wenn noch einige Ergebnisse, oder wissenschaftliche Befunde fehlen. Das was wir alle schon in der Schule gelernt haben, hat für mich mittlerweile eine erdrückende Beweiskraft vorgelegt. Seien es archäoligische Funde, Methoden zur Zeitdatierung usw. Hinzu kommt die Beschäftigung mit der "Historisch-kritischen-Exegese". Namhafte Theologen haben sie erstellt. Demnach ist die Bibel für mich ein hochinteressantes literarisches Meisterwerk, aber keinesfalls eine genaue Abhandlung tatsächlicher Geschehen damaliger Zeit. Kirchenvertreter, einschließlich des Papstes, haben natürlich anders gelagerte Interessen zu vertreten. Sie müssen den kind(l)ichen Glauben hochhalten und geben meines Erachtens immer nur so viel zu, wie die Wissenschaft unwiderlegbar herausgefunden hat. Ich erinnere hierbei an Galileo Galilei. Selbstverständlich gehe ich persönlich immer noch von einem (liebenden) nicht personalisierten Schöpfergott aus, der auch für den Urknall verantwortlich zeichnet, aber den reinen "Bibelglauben", der u.a. auch einen ziemlich despotischen, eifersüchtigen, kleinkarierten Rachegott impliziert habe ich ad acta gelegt. Zuviel spricht für mich dagegen. MfG an die Leser |
| (Name und Ort der Red. bekannt), 08-03-2010: Die Stellungnahme des Stammapostels ist in ihrer Qualität – wieder einmal – enttäuschend in ihrer Oberflächlichkeit. Zunächst einmal sind für eine ernsthafte Darlegung neuapostolischer Sicht auf die Bibel die Themen „Textverständnis“ (Exegexe und Hermeneutik) und „Evolution“ auseinanderzuhalten. Beim Textverständnis geht es nicht darum, die Evolutionstheorie zu bestätigen oder abzulehnen, sondern darum zu definieren, ob die Bibeltexte wörtlich oder zeichenhaft zu verstehen sind. Auch Kreationisten und i.e.S. Vertreter der Lehre vom Intelligent Design sind ja größtenteils nicht der Auffassung, Gott habe Adam aus einem Lehmkloß erschaffen, sie lehnen die Evolutionstheorie ab und führen die Vielfalt göttlicher Schöpfung auf einzelne Schöpfungsakte Gottes zurück. Die Auseinandersetzung mit der Evolutionstheorie ist deshalb heute keine Auseinandersetzung mit den biblischen Texten mehr, sondern zwischen den Grundpositionen der Evolutionswissenschaft und denen der Kreationisten. Sie ist, und damit hätte Leber Recht, wenn er es denn so meint, für den Glauben unwesentlich. Wichtig dagegen ist die Frage, ob und wie der Bibel Glauben geschenkt werden kann, wenn wortwörtliches Verstehen ausgeschlossen wird, gleichgültig, ob die Entstehung der Welt auf naturwissenschaftliche Erkenntnisse oder einzelne Schöpfungsakte zurückgeführt wird. (Das betrifft übrigens nicht nur die Evolutionstheorie, sondern alle Theorien über die Entstehung des Universums.) Es ist eine unzulässige Verkürzung der Problematik des Verständnisses der biblischen Texte zu implizieren, die Verfasser dieser Texte hätten eben ein anderes Weltbild gehabt, weil sie es nicht besser wussten, und da wir es heute besser wüssten, müssten wir diese Bibelstellen metaphorisch verstehen. Es ist die Schuld solcher „Exegeten“, wenn sich die Gläubigen dann von allen Aussagen der Bibel abwenden. Vielmehr sollte man sich der Mühe unterziehen, das geistige Umfeld beim Entstehen der Bibeltexte zu untersuchen und zu erforschen, was denn mit ihnen gemeint sein könnte. Diese Ergebnisse gehen dann über die stammapostolischen Plattitüden hinaus, die letztlich nichts anderes bedeuten als „die Autoren der Bibel wussten nichts über die Entstehung der Welt, deshalb haben sie dann mal ein paar schöne Geschichten geschrieben.“ Durch diese Art der Bibelerklärung schimmern die Argumente der Aufklärung, die letztlich nicht zur Erklärung, sondern zur Zerstörung des biblisch begründeten Glaubens führt. Ich empfehle allen, die sich für eine vernünftige Auflösung der angeblichen Widersprüche zwischen biblischen Aussagen und wissenschaftlichen Erkenntnissen mit dem Schwerpunkt Schöpfungsglauben und Evolution interessieren, das Buch „Dogma und Verkündigung“ von Josef Ratzinger - Papst Benedikt XVI., Erich Wewel-Verlag, Donauwörth, der es schafft, in für einen Theologen seltener Weise, das angebliche Spannungsfeld aufzulösen, ohne den Schöpfungsglauben dabei zu beschädigen und die Intention der Bibelautoren vernünftig darzustellen (ab S. 143 ebd.). Leber dagegen geht mit seinem „das überlassen wir der Wissenschaft“ in irgendwo auf dem Weg seiner eigenen Argumentation verloren und bemüht sich nicht entfernt, das von ihm selbst angestoßene Thema zu einem vernünftigen Abschluss zu bringen. Es ist zu befürchten, dass das dann wohl ohne ihn den bekannten Weg nehmen wird: die Enttäuschten und Verunsicherten wenden sich ab, und die Bezirksapostel bemühen sich, die wenigen sinnvollen Äußerungen des Stammapostels hinwegzuinterpretieren. |
| (Name und Ort der Red. bekannt), 08-03-2010: Man kann nun zur Frage, ob die Schöpfung durch Evoltuion oder eben durch den biblischen Schöpfungsakt entstanden ist, stehen wie man möchte. Ich denke nicht, dass die eine wie die andere Sicht im Hinblick auf das Ziel jedes Christen ein unüberwindliches Hindernis ist. ABER: Wenn die Bibel nur noch symbolhaft verstanden wird, dann stellt man damit eben den einzigen festen Maßstab, den man hat, in Frage. Der StAp erkennt dies zurecht: wo endet das symbolische Verständnis? Ist nicht die Schöpfungsgeschichte genauso unwahrscheinlich wie die Auferstehung? Der StAp hat Recht; wir sollten diese Fragen insgesamt der Wissenschft überlassen. Ich kann nicht sehen, wozu diese Stellungnahme notwendig ist. Es gibt in unserer Kirche wahrhaft andere Baustellen, etwa die Legitimation des umfassenden Anspruches unseres Apostelamtes, das Entschlafenenwesen, etc., wo eine kritische Überprüfung und eine Änderung der Lehraussagen notwendig und überfällig sind. Oder wo endlich mal auf biblischer Grundlage nachvollziehbar erklärt werden sollte, wie man zu den Aussagen kommt. Ich würde mir wünschen, dass man da anfängt. Den Maßstab der Bibel sollte man erst angehen, wenn man selbst mit den eigenen Lehraussagen auf festem Grund steht. Oder ist gerade das die Absicht, die man verfolgt, wenn man sich den Aussagen der Bibel zuwendet und diese in Frage stellt? |