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| «Nicht mit mir als Apostel » | |
| Lodewijk Dros («Trouw») im Gespräch mit Gerrit Sepers | |
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Die kleine Neuapostolische Kirche in den Niederlanden hat zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen andersdenkenden Apostel vor die Tür gesetzt. Apostel Gerrit Sepers ist nicht mehr im Amt. Er will ein Signal gegen einen "Rechtsruck" in seiner Kirche geben. Gerrit Sepers (1946), geborener Brabander, arbeitet schon wieder einige Zeit als Hausarzt in Amersfoort. 1999 absolvierte er einen Kursus, um erneut als Hausarzt praktizieren zu können, da es kein Geld mehr gab, um ihn als Apostel in der NAK zu bezahlen. Kein Wunder: Die Gemeinschaft schrumpft. "In sieben, acht Jahren wurden 22 von 98 Gemeinden geschlossen. Die Zahl sonntäglicher Kirchbesucher ging seit 1997 von 7000 auf 4500 zurück." Sepers selber, seit 1987 als Apostel tätig, betrachtet jedoch sein Interview von 1997 als ausschlaggebend. Darin sprach er "direkt aus meinem Herzen, wie ich es gewohnt bin". Er war u.a. für Frauen im Amt und akzeptierte Homosexualität. "Da bin ich wahrscheinlich aufgefallen", so Sepers. Es gibt Vermutungen, dass dieses Interview ihn auch die Beförderung zum Bezirksapostel gekostet hat. Die Reaktionen der Geschwister auf das Interview waren unterschiedlich: Für die einen ist er der Held der Erneuerung, für die anderen ein "Wolf im Schafspelz". Die letzte Episode im Fall Sepers begann diesen Sommer, als er irgendwo in Europa im neuapostolischen Gottesdienst saß. Vom Altar hörte er: "Die, die das Schiff verlassen, gehen verloren." Mit Schiff sei die Neuapostolische Kirche gemeint gewesen. Sepers: "Ich schaute mich um und dachte: Warum tut niemand etwas?" Schon länger habe er einen "Rechtsruck" in der NAK empfunden. "Nicht mit mir als Apostel, dachte ich dann. Ich sagte zu meiner Frau: Nun muss ich handeln und etwas zu Papier bringen." Auf 20 Seiten entwarf er ein Zukunftsbild seiner Gemeinschaft. Der genaue Text ist geheim, aber die Richtung ist doch erkennbar: "Sine ecclesia non salus est" (außerhalb der Kirche ist kein Heil), das sei genau der Fehler der Römisch-Katholischen Kirche gewesen. Gegen diese Lehre verwahre er sich. Weiter führt Sepers aus: das Apostelamt sei förderlich für die Glaubensgemeinschaft, jedoch dürfe man nicht meinen, man habe ein exklusives Gebrauchsrecht in Bezug auf den Heiligen Geist. Damit berührte er die Achillesferse der NAK: die Exklusivität durch das Apostelamt. Ein Theologe der Hervormde Kerk, der über die Apostolischen promovierte, hatte das Gefühl, "in einen Geheimbund einzudringen", meldete "Trouw" am 2.September 1988. Mit dem Kommen von Sepers öffneten sich einige Türen. Die internationale Kirchenleitung setzte ihn 1999 in dem Dokumentarfilm 'Lebendig wie das Christentum vor 2000 Jahren" ein, der die neue Offenheit darstellte. Das kam an, "jedenfalls in den Niederlanden", meint Sepers. Konservative Mitglieder, "wie z.B. die in Nord-Amerika", waren davon gar nicht begeistert. Auf der offiziellen Website der NAK besteht keine Möglichkeit, diese Dinge zu diskutieren, so dass ein alternatives Forum gegruendet wurde. Auch in Deutschland haben ökumenischer eingestellte Gläubige eine Webseite eingerichtet. Auf diesen nicht-offiziellen Seiten gibt es viel Beifall für Ex-Apostel Sepers, er gilt als ein liberaler Reformator, der der NAK neue Wege zeigen kann. Die Geschichte der Apostolischen seit 1832 ist voller Abspaltungen. Allein in den Niederlanden gibt es neun Gruppierungen, jede davon mit einem eigenen Charakter. Als Gemeinsamkeit ist bestehen geblieben, dass dem "Apostel" ein wichtiger Platz zuerkannt wird. Die Erstarrung der NAK, die "beinahe sektiererische Abschottung" und die Exklusivität ist – so Sepers – sei den Fünfziger Jahren eingetreten. Zuvor, 1946, habe es eine Bewegung gegeben, die 1951 zur Abspaltung führte, woraus die "Apostolisch Genootschap" (www.apgen.nl/) entstand. Diese ist gegenwärtig eine religiös-humanistische Kirche mit ca. 20.000 Mitgliedern und einem eigenen Apostel. 1952 kam die Botschaft des Stammapostels Bischoff, dass Jesu zu seinen Lebzeiten wiederkommen würde. Immer noch glaubten "viele" an Bischoffs Prophetie. Sepers ("in der vierten oder fünften Generation apostolisch") hat Bedenken angesichts des Stammapostelamtes: "Das Amt ist vergleichbar mit dem Papst, noch nicht unfehlbar, aber man ist ihm doch absoluten Gehorsam schuldig." Vorzuziehen sei ein Status als "Erster unter Gleichen". Der heutige Stammapostel, Richard Fehr, hatte einmal in Tilburg gesagt: "Liebe Geschwister, und wer den Heiligen Geist will, der kann wegen mir nach Rom reisen oder zum Dalai Lama in den Himalaya oder weiß der Kuckuck wohin, er wird diesen Geist nicht empfangen, es sei denn durch die gesandten Apostel Jesu Christi. Das sei wieder mal in aller Deutlichkeit gesagt." [am 14. Januar 2001, GK]. Sepers bedauert, dass die NAK den Heiligen Geist für sich beanspruche. Er glaube, dass seine Wahrheit neben anderen bestehe, in pluralistischer Weise. "Wir sind nicht die Fortsetzung der Urkirche – eigentlich finde ich Fortsetzung überhaupt ein zu großes Wort." Sepers machte einen Besuch bei Fehr in Zürich. Dieser benannte zwei ausländische Bezirksapostel als Mediatoren. Während der Gespräche sagten sie: "Gerrit, so kannst du in dieser Kirche nicht funktionieren." Darauf Sepers: "Wenn meine pluralistische Vision hier keinen Platz hat, muss ich mein Amt zurückgeben." Zuerst hätten die Mediatoren daraufhin einen "vorzeitigen Ruhestand" vorgeschlagen. Das lehnte er aber ab: er war nicht pensionsreif, er wollte ein Statement abgeben. Auf der offiziellen Webseite der NAK steht davon nichts, wohl aber die Erklärung des Stammapostels über Probleme in Bezug auf die Exklusitität und die Notwendigkeit des Apostelamtes. Laut BAP Th. de Bruijn, Sepers' Vorgesetztem, fühlte sich "Sepers zunehmend enttäuscht, da sich die Kirche im Gegensatz zu ihm selbst nicht veränderte. Nun teilt er die Lehre der Kirche nicht, und das geht nicht in so einem hohen Amt." Am 1. Dezember nahm die NAK in einem Gottesdienst in Hilversum Abschied von ihrem Apostel – in guter Harmonie. Sepers hatte zugesagt, nicht selber eine Gemeinschaft zu gründen. Er unterstreicht auch: "Zum ersten Mal in der Geschichte ist freundlich mit einem Andersdenkenden umgegangen worden." Sollte sein Gedankengut in der NAK deutlich erkennbar werden, sei er gerne bereit, sich neu zu orientieren. Aber von einer Rückkehr ins Apostelamt kann im Grunde keine Rede sein. "Ich denke, dass Sepers eine Schockreaktion bewirken will," meint De Bruijn, der Bezirksapostel der Niederlande, "aber das klappt nicht. Die Kirchenleitung respektiert seinen Rücktritt, aber es stellen sich doch 95% [der Mitglieder, GK] hinter die Schweizer Kirchenleitung." Der Ex-Apostel hat sich nun in der Dominicuskerk (www.dominicusgemeente.nl/) umgesehen, eine progressive Basisgemeinde in Amsterdam, und "dieses Jahr habe ich Weihnachten in Xaverius in Amersfoort gefeiert, eine katholische Gemeinde mit ökumenischem Einschlag. Ob das programmatisch ist? Nein. Noch nicht. Ich bin neuapostolisch, aber auf der Suche nach einem neuen Dach." Quelle: Artikel von Lodewijk Dros (mail): "Apostolischen / Een reformatie zet niet door" - http://www.trouw.nl/religieenfilosofie/artikelen/1104651307079.html Bild: www.nak-nl.org | |
| gerx / m. ebener/, 2005-01-06 | |
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