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| «Andere Christen für uns Brüder und Schwestern» | |
| Stellungnahme des Apostels Sepers zu seiner Amtsrückgabe | |
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Der Grund meiner Rückgabe des Apostelamtes ist die exklusive Vision der Kirche gegenüber meiner persönlichen pluralistischen [1] Vision. Wir können und dürfen unseren Gott, Jesus Christus und den Heiligen Geist nicht in ihren Möglichkeiten, ihrem Raum, ihrer Entfaltung usw. einschränken. Das geht weit über unseren menschlichen Verstand (wörtlich: Gedanken) hinaus. Das Apostelamt in der Kirche ist meines Erachtens nicht unbedingt heilsnotwendig, aber förderlich oder wünschenswert. Man darf unsere Wahrheit darstellen, aber man kann nicht sagen, dass der Heilige Geist in optima forma (= in der besten Form) nur in der NAK offenbar werden kann. Praktisch bedeutete das, dass der Heilige Geist in anderen christlichen Kirchen nur rudimentär anwesend wäre. [2] Deshalb kann man als Neuapostolischer nur sagen, dass diese Kirche höchstens eine Fortsetzung der ursprünglichen Apostolischen Bewegung ist und nicht die Fortsetzung. Kernwert in der Zukunft bleibt für mich der Glaube an die Apostolische Botschaft, wie sie die Katholisch-Apostolische Bewegung Anfang 1835 im Testimonium offenbar gemacht hat:
Diese tiefen inneren Werte wollen vertieft werden und verlangen eine tiefgehende Verbindung mit Gott. Solche Gedanken sollten auch miteinander geteilt und durchdacht werden können. Zentral ist für mich immer der Mensch als Schöpfung Gottes, und nicht die Höhe des Amtes. Auch ist die Gemeinde zentral, wo dieses in der Gemeinschaft erlebt werden kann. Persönlich habe ich große Glaubenserfahrungen in der Begegnung mit Geschwistern, mit Menschen gehabt. Ich habe die Nähe Gottes erfahren am Krankenbett, am Todesbett, in der Mission und bei vielen anderen Gelegenheiten. Immer getrieben durch das Suchen nach dem höchsten Gut innerhalb des christlichen Glaubens und die dazu gehörende Symbolik und Kernwerte, ist eine Friktion (= Reibung) entstanden zwischen dem, was ich glaube und dem, was innerhalb der NAK als Gedankengut verkündigt werden muss. Weil ich immer versuche, in Übereinstimmung mit meinem Gewissen zu leben - das bedeutet, glaubwürdig und zuverlässig zu sein und zu bleiben -, hat es sich gezeigt, dass solches Gedankengut nicht vereinbar ist mit diesem Amt in dieser Kirche. Ich durfte nur eine rein exklusive Vision repräsentieren und nicht eine pluralistische. Als Mensch muss man eine Wahl treffen, wie Martin Luther bewiesen hat: “Hier stehe ich, ich kann nicht anders!” Gerne unterstreiche ich:
Mit großem Respekt und großer Dankbarkeit denke ich zurück an meine apostolischen Lehrer. Sie haben an meiner Seele gearbeitet. Speziell denke ich an meine Eltern, die mich mit einen breiten Vision gebildet haben. Auch meine liebe Frau hat mich unendlich viel unterstützt, und sie hat für die gute Sache vieles geopfert. Nur unser Gott weiß genau wieviel! Wenn es in der Zukunft je einen Tag geben wird, an dem dieses oben erwähnte Gedankengut in unserer Kirche deutlich sehbar und fassbar wird, dann bin ich gerne bereit, mich neu zu orientieren. Ich wünsche Ihnen allen in diesem kurzen Leben gerne das Allerbeste. Ich danke Ihnen für das mir geschenkte Vertrauen. Bedeutet mein Amtrücktritt jetzt ein Ende? Ich gebe Ihnen noch eine Schlüsselbotschaft von Winston Churchill mit: “Dies ist jetzt nicht das Ende. Auch ist es überhaupt nicht der Beginn des Endes. Aber es ist vielleicht das Ende des Beginns!” Mit herzlichen Grüßen, Gerrit J. Sepers --- [1] Meine pluralistische Vision hat ihren Ursprung in der Zusammenstellung der Schriften in der Heiligen Schrift. Der Inhalt des Neuen Testamentes ist überhaupt nicht uniform. Damit ist die Basis für eine vielfältige (wörtlich: pluriforme) Entwicklung des Christentumes dargestellt. Man hat vier Evangelien aufgenommen anstatt eines einzigen! Diese Evangelien decken sich nicht ganz, oder eigentlich gar nicht. Vergleicht bitte die Texte des philosophischen Evangelisten Johannes mit den anderen drei Evangelien! Man hat diesen Kanon nicht so zusammengestellt, weil die anderen Evangelien von z.B. Thomas, Bartolomeus, Matthias oder Petrus falsch waren, sondern weil diese aufgenommenen Evangelien besser mit den zeitgemäßen Vorstellungen über Jesus Christus und sein Verhalten übereinstimmten. Man hat schon durch Untersuchungen den Wert der gnostischen Schriften von Nag Hammadi festgestellt und verbunden mit dem Evangelium von Thomas, ein für uns apokryphes Evangelium. Wenn man diese Texte miteinander vergleicht, spürt man schon die früh entstandenen Differenzen im Denken und Glauben der ersten Christen. So weiß man auch, dass wir uns eigentlich hin zu einem paulinischen Christentum entwickelt haben, wo das Leiden und das Opfer Jesu Christi zentral ist. Im Gegensatz zu Christus! Er hat das Reich Gottes und das Suchen nach diesem Reich ins Zentrum gestellt. So kann man verstehen, dass grosso modo die protestantischen Richtungen mehr Nachdruck auf das Gedankengut von Paulus legen. Die östlichen Kirchen wählen stärker das Evangelium des Johannes. Die charismatischen Bewegungen werden eher inspiriert durch die Handlungen der Apostel. Und Rom stützt sich mehr auf das Matthäus-Evangelium und die pastoralen Briefe von Petrus und Johannes. Und das Buch der Offenbarung ist bis im vierten Jahrhundert immer noch abgelehnt worden, z.B. durch den bekannten Bußprediger Johannes Chrysostomos. Es ist deshalb so wunderbar, dass es im 19. Jahrhundert eine apostolische Bewegung gegeben hat, die auf den Wert des kommendes Reiches Gottes hingewiesen hat! Das bedeutet: Jesus Christus wird mehr und mehr zentral ins Leben gerückt! Es ware doch sinnvoll, darüber miteinander zu reden und nachzudenken. Es gibt auch ein interessantes Buch über den Ursprung der christlichen Kirchen von J. D. Crossan: "The Birth of Christianity: Discovering What Happened in the Years Immediately After the Execution of Christ" ( ISBN 0-06-061660-1). [deutsch: "Die Geburt der Christenheit: Die Entdeckung dessen, was in den Jahren direkt nach Christi Hinrichtung passiert ist"] [2] Bezirksapostel Studer hat am 1. Dezember 2004 das Gespräch erwähnt, das wir im Oktober 2004 in der Nähe von Amsterdam geführt haben. In diesem Gespräch habe ich deutlich gemacht, dass die Gläubigen in anderen christlichen Kirchen unsere Brüder und Schwestern sind. Sie haben in der Heiligen Wassertaufe durch die Ämter innerhalb ihrer Kirche den Heiligen Geist empfangen. Wir können nur mit anderen christlichen Gläubigen ins Gespräch kommen, wenn wir als Neuapostolische deren Gaben Gottes respektieren und akzeptieren. So stehen wir als Gläubige in einer vielfältigen Christenheit nebeneinander. Wir dürfen Gott nicht für uns selbst in Anspruch nehmen. Wir haben dazu weder das Recht noch die Möglichkeiten! | |
| m.ebener/, 2004-12-11 | |
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